Ästhetik, Charakter, Gelöstheit und Experiment prägen das künstlerische Schaffen von Chris Imler, Rosa Anschütz und Meuko! Meuko! gleichsam wie ihre jeweiligen lokalen Umgebungen in Berlin, Wien und Taiwan. Die Kombination der drei Musiker*innen an einem Abend verspricht Radikalität und gleichzeitig Zugänglichkeit, die ausgiebiges Bewegen ermöglicht.

Rosa Anschütz

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Always happy doesn’t exist

Die transmediale Künstlerin und Vokalistin Rosa Anschütz aus Berlin und Wien fällt in den experimentellen Pop-Gefielden bereits seit einigen Jahren mit ihren melancholischen Kompositionen auf, in denen Spoken Word auf verhallten Gesang trifft, eingebettet in Soundstrukturen aus Gitarre, Bass, Drum Machine und modularen Synthesizern. Das sind schaurig schöne Popsongs mit viel hypnotischem Potenzial, starker Körperlichkeit, einnehmender Mood und neuerdings auch treibenden Elementen. Nach ihrem Debut «Votive» (2020) folgt diesen Frühling der zweite Longplayer «Goldener Strom».

Chris Imler

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Dandy with an Off-Beat

«Der Grandseigneur des Berliner Undergrounds», wie die taz Chris Imler beschrieben hat, ist bereits seit einem guten Jahrzehnt als stehender Solo-Schlagzeuger auf den Bühnen Europas präsent – und dies unermüdlich. Soeben erschien «Operation Schönheit», Imlers dritter Longplayer. Seine Kompositionen vereinen experimentelle und elektronische Post-Punk-Elemente zu einem einzigartigen Groove. Der Rhythmus singt, der Gesang tanzt, der Look sitzt. Und so repräsentiert sich der Imler einmal mehr als Berlins wichtigster Kulturbotschafter: Die einst weltweit beneidete Szene der ewig erfolgreich scheiternden Nachtpflanzen ist eben doch noch nicht komplett wegoptimiert worden.

Meuko! Meuko!

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Travelogue through a fictional dystopian world

Die in Taipei lebende Musikerin und Performerin Pon aka Meuko! Meuko! vereint in ihren elektronischen Produktionen Noise, Clubmusik, Improvisationen und Field Recordings, deren Quellen oft auf die spirituelle Landschaft Taiwans zurückgehen. Die EP «Ghost Island» erschien 2018 auf Aïsha Devis Label Danse Noire. Die ästhetischen Parallelen der beiden Künstlerinnen sind dabei nicht zu überhören. Die collageartigen Kompositionen auf «Ghost Island» wirken klaustrophobisch und gleichsam psychedelisch. Geräusche überlagern sich bis hin zur Kakophonie, die an den täglichen Grossstadtlärm erinnert. Sirenenartige Flöten, schräge Gesänge, rauschender Wind, schabendes Metall, stotternde Perkussion und viele fantasievolle Strukturelemente prägen die Musik. Die Beats sind treibend, schattig, stets durchquert von Glitch und Toy Noises. Das sind psychedelische Cyber-Dreamscapes, fiktionale Dystopien und gleichsam Zustände, in denen wir alle Leben.

Photo Credits: Galya Feierman (Chris Imler), Rinko Rin (Meuko! Meuko!)