21:00 Dorian Wood (USA)

22:30 Gazelle Twin: Kingdom Come (UK)

23:30 Algiers (USA)

01:00 Ventil (AUT)

danach: Mysterious Pip (DJ-Set)

 

Die in Georgia, Atlanta gegründete vierköpfige Band Algiers hat auf ihrem Debütalbum 2015 einen Stil erschaffen, der seinesgleichen sucht. Raue Rockmusik und Post Punk mit krachig-atonalen Einschüben und Gospel-Einschlag hat man vorher nie gehört. Natürlich hatte schon Nick Caves erste Band The Birthday Party oder etwa The Gun Club die Gospel-Tradition aufgegriffen, nie zuvor aber ist aus diesen Gegensätzlichkeiten etwas dermassen Vehementes entstanden, ein neuartiger Entwurf von Rockmusik, in der die Black Music wieder mehr ist als Tradition und Wurzel. Black Panther Movement, Black Lives Matter, all die Themen sind in ihre hochpolitischen, wütenden und zugleich wundervollen Songs verpackt. «Vor ihrem apokalyptischen Gospel gibt es kein Entrinnen – und man kann sogar dazu tanzen», schrieb die WOZ.

 

«Dorian Wood klingt wie die finstere Alternative zu Antony Hegarty», schrieb Der Bund als der kalifornische Sänger, Musiker und Selbstdarsteller Dorian Wood 2014 zum ersten Mal die Dampfzentrale beehrte. Die selbe Zeitung hörte in Woods Musik «Drama, Blues und eine musikalische Intensität, wie sie schon lange niemand mehr auf einen Tonträger zu bannen vermochte» und befand «Dorian Wood singt nicht einfach Lieder, er setzt musikalische Mahnmale.» Als er den Clip zu «La Cara Infinita» auf Youtube setzte, diktierte Wood der Huffington Post den Satz: «Ich bin schwul, ich bin wütend, und ich habe ein schmutziges Musikvideo gedreht». Sein Auftritt in Bern aber hat gezeigt: In erster Linie ist er ein warmherziger, liebenswürdiger Mensch und ein begnadeter Künstler. 
Dorian Wood – exzentrisch, explizit sexuell, theatralisch, ein Vulkan auf der Bühne, aber gleichzeitig auch ein musikalischer Feingeist.

 

Gazelle Twin ist in seiner originalen Form das Soloprojekt der Musikerin und Sängerin Elizabeth Bernholz; live wird sie unterstützt von ihrem Mitstreiter und Lebenspartner Jez Bernholz. Für Ihr Programm «Kingdom Come» wurden die Karten nun neu gemischt. Anstatt einer regulären Liveshow, wie sie 2015 in der Dampfzentrale zu sehen war, hat Elizabeth Bernholz «an audiovisual performance for 2 vocalists» inszeniert, bei der sie selber nicht auf der Bühne steht. Die Performer/SängerInnen sind Stuart Warwick und Natalie Sharp, letztere bekannt durch ihr Soloprojekt Lone Taxidermist. Gatte Jez Bernholz liefert wiederum den livemusikalischen Beitrag. «Kingdom Come» basiert auf dem letzten Roman des Science-Fiction-Autors J.G. Ballard (High Rise, Crash) und befasst sich mit den Themen Tribalismus, gesellschaftliche Konditionierung und Faschismus in der heutigen konsumorientierten Gesellschaft. Zu Gazelle Twin schrieb die Berner Kulturagenda treffend: «Aphex Twin könnte ihr verlorener Bruder sein, David Lynch ihr böser Onkel und Björk die nettere Cousine.»

Musik & Konzept: Gazelle Twin. Film: Chris Turner & Tash Tung. Performance: Jez Bernholz, Natalie Sharp, Stuart Warwick.

 

Ventil ist eine junge fünfköpfige Band aus Wien, die eine Gratwanderung zwischen tanzbarem Groove, motorischer Rockmusik, Techno und schriller, rhythmischer Noise Electronica begeht, die ihresgleichen sucht. Gegründet 2014 von Peter Kutin und Florian Kindlinger, zeichnet Ventil eine erstaunliche Klanghandschrift aus, die in der Regel von Menschen hinter Laptops dargeboten wird, hier jedoch aus seinem performance-armen Kontext herausgelöst wird. Ventil agiert und funktioniert als energetische Band. Der Bühnenraum wird dabei von der Wiener Künstlerin Conny Zenk um Lichtstrukturen, für welche der Begriff Visuals ein Schimpfwort wäre, erweitert.