In der Schweiz hat sich verhältnismässig früh eine innovative Szene gebildet, die sich von gängigen Rock/Pop-Mustern verabschiedete und sich zu unkonventionelleren musikalischen Strukturen hinbewegt hat. Heute gibt es sie immer noch, übriggeblieben sind im Inland jedoch nur sehr wenige Gefässe, welche sowohl diesen noch aktiven Künstler­Innen als auch einer neuen, aufblühenden Generation Auftrittsmöglichkeiten bieten. So geniessen viele Schweizer Musikerinnen und Musiker im Ausland grosse Bekanntheit und damit verbunden eine hohe Dichte an Konzerten, während sie in der Schweiz kaum live zu erleben sind.

Der jährlich in der Dampfzentrale stattfindende Anlass Sonic Mountains rollt einerseits die wenig bekannte Vergangenheit der Schweizer Avantgarde auf und bildet andererseits genauso eine wichtige Plattform für innovative Musikerinnen und Musiker aus der Gegenwart.

Für die Ausgabe 2013 stellen wir drei sehr gegensätzliche musikalische Projekte einander gegenüber, welche den Facettenreichtum an der Schnittfläche zwischen Experimental- und Populärmusik aufzeigen. Die drei Auftritte wirken nicht nur aufgrund ihrer unterschiedlichen Genreverbundenheit polarisierend. Sie haben auch einen stark unterschiedlichen performativen Charakter, der von einer klassischen Bühnen-/Konzertsituation (Darkspace) über ein sehr performatives Konzert bis zu Klangcollagen mit eher installativer Prägung («Dampfschiffsymphonie») reicht. Trotzdem laufen im Grundverständnis ihrer Musik viele Fäden zusammen: Sie alle schöpfen aus dem Neuen, sie alle haben offene Ohren für unbequeme Töne, für Unerhörtes und Ungehörtes.

Wir hoffen, damit ein Publikum ansprechen zu können, das einerseits aus aktiven Musikinteressierten besteht und vertraut ist mit Nischenmusik, andererseits versuchen wir unseren Ruf eines offenen Hauses zu nutzen, um Gästen, denen andersklingende Schweizer Musik weniger geläufig ist, die Ohren öffnen zu können.


Darkspace

Die Bezeichnung des «Propheten im eigenen Land» ist vielfach bemüht worden und umschreibt zumeist Musiker, die im Ausland grössere Beachtung finden als zuhause. Beim Beispiel der seit 1999 existierenden Black Metal-Band Darkspace aus Bern ist die Diskrepanz darin jedoch besonders gross. Während das Trio von renommierten internationalen Metal-Festivals (Roadburn, Hellfest) mit Handkuss gebucht wird, machten es ihnen die Berner Veranstalter bisher leicht, sich rar zu machen. Darkspace haben eine fanatische Anhängerschar, die für eine Show tausende Kilometer reist; in ihrer Heimat jedoch kennt sie kaum jemand.

Es freut uns daher besonders, dass wir die ersten sind, die die Black Metal-Institution auf eine grosse Berner Bühne holen. Mit ihrem drastischen, kompromisslosen Sound agieren sie weitab der altbekannten Metal-Klischees. Ihr Thema ist denn auch – wie der Name impliziert – der «space», der weite Raum über unseren Köpfen. Darkspaces Musik ist monolithisch und gewaltig, mit ihren teil episch langen Kompositionen bauen sie sphärische, brachiale Soundblöcke auf, eindringlich, massiv, bewusstseins­erweiternd und in endlose Weiten treibend.

Es wäre ratsam, diese Band im Rahmen von Sonic Mountains zu erleben, denn es könnten wieder Lichtjahre ins Land ziehen, bis sich irgendwo in Bern ein schwarzes Loch auftut um das Black Metal-Juwel erneut auszuspucken.

 

 

Cyrill Schläpfers Dampfschiffsymphonie

Cyrill Schläpfer ist eine eigentümliche Figur. 1993 hat er, der selber Schwyzerörgeli spielt, mit «Ur-Musig» einen in weiten Kreisen bekannten Film über das Brauchtum der Schweizer Volksmusik abseits von Heimattümelei und Volksmusik-Parade realisiert, eine musikalische Reise in die Welten, Täler und Klanglandschaften der Innerschweiz. Derunkonventionelle, preisgekrönte Musik­film, der am Internationalen Filmfestival in Locarno zum ersten mal gezeigt wurde,fand an zahlreiche ausländische Musik- und Filmfestivals und lief in Zürich während mehr als zweieinhalb Jahren ununter­brochen im Kino. Daneben war Schläpfer aber auch mass­geblich am Comeback des Songs «Campari Soda» von Taxi beteiligt, und er ist der Herausgeber der erfolgreichen CD-Serie «Swiss Kult-Hits», deren Verdienst es ist, die Schweizer Punk und New Wave-Geschichte bis hin zu radikalen Untergrund-Perlen in ansprechender Form aufgearbeitet zu haben.
Diese scheinbar wiedersprüchlichen musika­lischen Vorlieben wurden aber von seiner Arbeit an der «Dampfschiffsymphonie» vor wenigen Jahren in den Schatten gestellt. Schläpfer hat, ganz bewusst in der Tradition der Musique Concrète, Töne von fünf rund hundertjährigen Dampfschiffen aufgenommen, am Ufer des Vierwaldstättersees, über und unter dem Wasserspiegel. Aus dieser Geräusche-Datenbank hat er im Studio musi­kalische Leitmotive kreiert, Klänge moduliert und mit ihnen neue Harmonien und flächige Clusters erstellt. Aus Maschinen­tönen und Fahr- und Wassergeräuschen hat er Schlaufen kreiert, bis hin zu repetitiven, industriell anmutenden Rhythmen.

Am Sonic Mountains präsentieren wir die «Waldstätte», wie die Dampfschiffsymphonie original heisst, als 5.1-Dolby Surround-Version mit visueller Umsetzung. Ein ge­waltiges, mächtiges und Hosenflattern erzeugendes Sounderlebnis!

 

 

OP Rechts & Hess

OP Rechts & Hess sind Mike Reber und Christoph Hess von den Berner Noise-­Veteranen Herpes Ö DeLuxe, Hess ist aber auch bekannt durch sein installatives Platten­spieler-Projekt Strotter Inst, welches ihn bereits bis nach China, Japan, Russland, Nord- und Südamerika gebracht hat. Die beiden hatten sich vor genau 10 Jahren als Duo im Proberaum verschanzt um ein Album zu Ehren der Berner Patrizierin Mme De Meuron aufzunehmen. Es folgten ein paar wenige Liveauftritte, danach widmeten sich die beiden wieder ihren angestammten Band- und Soloprojekten. Eigens für Sonic Mountains gibt es nun ein Comeback dieses eigentümlichen Duos. Ob Christoph Hess wie beim letzten öffentlichen Auftritt von OP Rechts & Hess wieder in der Burka auftreten wird, wurde bisher weder bestätigt noch dementiert.