Smerz

Getting under your skin

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Catharina Stoltenberg und Henriette Motzfeldt sind die Stimmen und kreativen Seelen des norwegischen Duos Smerz. Stimmen, weil ihre intimen, symbiotischen und gleichsam nüchternen Vocals bezeichnend sind für die Smerz’sche Soundästhetik. Die beiden besitzen zudem ein feines Händchen für Popstimmungen und- melodien, stets über das blosse Ohrwurmdasein hinausgehend.

Auf «Believer», ihrem Debutalbum, das dieses Jahr wie die zwei EPs «Okey» (2017) und «Have fun» (2018) auf XL Recordings erschien, erweitern Smerz den Horizont ihrer R&B-iesken Klangwelt um orchestrale Nuancen sowie um Komponenten traditioneller norwegischer Volksmusik. Das Ergebnis ist eine stilvolle und gleichsam unvorhersehbare Reise über verschiedenen Genrestimmungen – von Pop über R&B, Rap, und Trance bis hin zu klassischen Elementen. Digitale Sounds prallen dabei auf die Akustik von Cello, Geige und Piano. Die unglaublich nah wirkenden Stimmen von Motzfeldt und Stoltenberg führen dabei als roter Faden durch dieses Soundgeflecht und machen es zu einem sinnlichen, kühlen und gleichsam organischen Gesamterlebnis.

Kühle und Sinnlichkeit prägen nebst Grazie und Skurrilität auch die Live-Präsenz des Duos. Die minimalistische Dramaturgie und Ästhetik ihrer Performances intensivieren die Intimität ihres musikalischen Ausdrucks.

Maria w Horn presents «Dies Irae»

Transcending the earthly

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Die in Stockholm lebende Musikerin Maria w Horn manipuliert mit ihren Kompositionen die Raum- und Zeitwahrnehmung – irgendwo zwischen Minimalstrukturalismus und Offensivelektronik. Dazu verwendet sie analoge Synthesizer, nachbearbeitete akustische Instrumente und audiovisuelle Bühnenkomponenten.

Am diesjährigen Saint Ghetto präsentiert Maria w Horn ihre Komposition «Dies Irae» zum ersten Mal live vor Publikum. Dabei handelt es sich um ein Stück für ein weibliches Vokalquartett sowie Elektronik. Der Name sowie der thematische Faden des Stücks sind von dem lateinischen Gedicht «Dies Irae» inspiriert, das seit Jahrhunderten die katholischen Toten auf ihrem Weg ins Grab begleitet. Von der Zeit also, in der die Seelen der Menschen zum letzten göttlichen Gericht gerufen und die Unerlösten in die ewigen Flammen geworfen werden. Dennoch bleibt die Grundstimmung der Komposition eher heiter als schwer, die Stimmen eher elfenhaft als verdammend, die Elektronik eher verträumt als brachial.

Am Saint Ghetto Festival wird Maria w Horn mit dem Berner Frauenvokalensemble Voc-à-Lises auftreten. Das Stück ist in zwei Vokalteile unterteilt, gefolgt von einer Improvisation für gestimmtes Glas, Stimme und Elektronik.

Jerskin Fendrix

Who the hell is this enigmatic chameleon?

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Der klassisch geschulte Pianist und Violinist Jerskin Fendrix kommt wie Black Midi und Black Country, New Road aus der kreativen Szene rund um den Londoner Musikpub Brixton Windmill. Mit seinem Debütalbum «Winterreise» kannibalisiert Fendrix alles, was auf den ersten Hörgang nach Pop klingen könnte zu einer höchst persönlichen und eigenen Klangästhetik. Chamäleon-artig schlängeln sich die Songs um gängige Stile und Personas, um dann wieder eine komplett andere Richtung einzuschlagen. So beginnt «Manhattan», das erste Stück auf dem Album, mit einer eleganten, barock-artigen Klaviermelodie, die Atmosphäre eines Konservatoriums heraufbeschwörend, bevor der Song in ein sumpfiges Klagelied übergeht, in dem sich eine grimmige Stimme mit Skepta vergleicht, um dann in eine schreienden Elektro-Punk-Sequenz über Heiratsanträge und den Kauf von Socken bei Uniqlo abzubiegen, folgend von einem langsamen, hymnischen Emo-Moment, und endend mit einem schrägen No-Wave-Gitarrensolo. Der Rest des Albums verläuft ähnlich.

Jerskin Fendrix drückt sich auf so viele Arten aus, in so kurzer Zeit. Das Risiko eines Schlamassels wendet er dabei erfolgreich ab. Seine Kreativität ist zu elektrisch, um sich jemals zu verzetteln. Seine Beats sind einzigartig, seine Instrumentierung vielfältig und seine Texte witzig und reichhaltig. Am Schluss bleibt lediglich die Frage offen, wer dieser Jerskin Fendrix denn wirklich ist.

Aïsha Devi

Radical sonic alchemy, mesmeric digital mantras

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Die klassisch geschulte Sopran-Stimme der Genferin mit tibetischen Wurzeln ist ihr markantestes Ausdrucksmittel. Rundherum pocht und sticht der Beat hin zu einer transzendenten Ästhetik und gleichsam einer höchst körperlichen Hörerfahrung. Aïsha Devis kreativer Zugang ist stets spirituell geprägt – meditative Techniken durchziehen den Produktionsprozess und inspirieren ihre Live-Präsenz. Viel metaphysische Neugier, Ritual sowie heilende Frequenzen fliessen hier in einen einzigartigen, rebellischen Clubsound.

El Tigre Sound (DJ Set)

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Zutritt nur mit COVID-Zertifikat und amtlichem Ausweis.

Fotocredits: Benjamin Barron & Bror August (Smerz), Emile Barret (Aïsha Devi)