20:00 Omni Selassi
21:15 Lafawndah
22:30 L’Rain
23:45 Lost Girls (feat. Jenny Hval)
01:00 Maria Sternhagel Vollman (DJ Set)
02:30 Studio Mondial (DJ Set)
05:00 Curfew

 

Lost Girls (feat. Jenny Hval)

Carried by invisible bodies

Lost-Girls_credit_Lasse-Marhaug

Die Künstlerin und Autorin Jenny Hval und der Multiinstrumentalist Håvard Volden sind Lost Girls – eine Kollaboration die bereits mehr als zehn Jahre besteht und 2021 im ersten Longplayer «Menneskekollektivet» festgehalten wurde.

Die Musik flimmert zwischen club-artigen Beatsequenzen und improvisierten Gitarrentexturen; zwischen Spoken Word und melodiösem Gesang; zwischen abstrakten und harmonischen Synthesizer-Schlaufen; zwischen Pop und experimenteller elektronischer Musik. Stimme wie Gitarre erscheinen gleichberechtigt – wandernd, wundernd, mäandernd. Sharing the space. Hvals Vocals sind dabei oftmals eher Werkzeug für einen instrumentalen, performativen Ausdruck als Bedeutungsträger.

«In the beginning, there is sound», hören wir, elegant und gleichsam leicht dystopisch, noch bevor die Musik auf dem Titelstück beginnt. Sound als körperlose Existenz, losgelöst von Bedeutungen und Bewusstseinsformen. Mit dem Ausdehnen des Stücks, transformiert Hval dann doch noch zur fassbareren Disco Diva.

Lost Girls’ Sounduniversum spiegelt vielleicht eine endende Party, die Musik schon verstummt, was bleibt ist ein kollektiver innerer Monolog des Vergessens. Des Vergessens um die Endlichkeit der Nacht, die Sonne geht auf, die Menschen werden zu Stein, oder sie zerlaufen zu Wasser oder befinden sich mitten in einer Metamorphose, die mehr bedeutet als das Zurückkommen auf den Boden.

L'Rain

Embodying change as a sonic energy

L'Rain-Fatigue_Cover

Die in Brooklyn geborene und lebende Multiinstrumentalistin Taja Cheek aka L’Rain wandert mit «Fatigue», ihrem 2021 erschienen Album, auf den Nervenbahnen unserer Zeit. Die Fatigue als subjektiver psychischer Zustand und gleichzeitig als kollektives Erleben von Zeiten andauernder Gewalt und Unterdrückung von Schwarzen Menschen sowie die damit verbundenen und darüber hinaus gehenden strukturellen Probleme unserer Systeme, die die Hilfsbedürftigsten am stärksten ausschliessen.

Durch eine konstante Überblendung von Genres erschafft sich die Musikerin einen noch unberührten Raum, wo Elemente von Gospel, Jazz oder Neo-Soul auf eine experimentelle, zeitweise psychedelische Klangästhetik treffen. «Fatigue» bricht so mit möglichen Erwartungen, die an Black Music oder an der Musik von Schwarzen Musiker:innen haften und strebt ein Gleichgewicht an, das über das Verwischen von Binaritäten erreicht wird. Weg vom Entweder/Oder hin zum flexiblen Beides.

«What have you done to change?», fragt eine Stimme am Ende des ersten Stücks auf «Fatigue». Sie ist zugleich Einladung wie Aufruf zum Wandel – nicht bloss auf individueller Ebene sondern als kollektiver Prozess. L’Rains Wunsch nach gemeinsamem Reflektieren und Fühlen treibt die klangliche Energie des Albums voran.

Lafawndah

Going off-world completely

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Lafawndah aus London häutet auf ihrem aktuellen Album «The Fifth Season» ihre bisherige künstlerische Identität und malt ein surrealistisches, theatralisches Klanggebilde. Inspiriert durch die Broken Earth Trilogie der Schriftstellerin N.K. Jemisin sowie durch Interpretationen von Texten von Kae Tempest (You, at the End) und Beverly Glenn-Copeland (Don’t Despair) löst sich Lafawndah als Subjekt in ihrer Musik auf, wirkt unfassbar und amorph. Und doch ist ihre Präsenz in dieser klanglichen Verkörperung stärker zu spüren denn je.

Die Kompositionen auf «The Fifth Season» entfalten sich über höchst eigenwillige Songstrukturen auf einer Palette von faszinierend bis hin zu nerven-aufreibend. Die formale sowie psychologische Spannung des Albums ist dabei omnipräsent. Sie wird geprägt durch Lafawndahs Stimme, die sich fluid von weichem Flüstern bis hin zur pathetischen Kopfstimme ausbreitet und mit orchestralen Klangteppichen zu einer ungewöhnlichen Mischung aus transzendentalem R&B, Pop, Kammerorchester sowie ritualisierter Clubmusik fusioniert.

Die Live-Performance von «The Fifth Season» nimmt die Energie und surreale Atmosphäre auf hin zu einem surrealistischen Soundtheater sondergleichen.

Omni Selassi

That crazy train, always moving

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Die Bielerin Rea Dubach (Associated Artist der Dampfzentrale 2020/2021) bewegt sich mit ihren beiden musikalischen Gefährten, Lukas Rutzen und Mirko Schwab, seit Jahren in einem höchst innovativen Klangkosmos. Das Trio mäandert irgendwo zwischen Kraut, Noise, experimentellem Jazz und psychedelischem Punk – mal verwunschen, mal metallen hart, oftmals verdreht, dabei immer geheimnisvoll und überraschend. Schliesslich entzünden sie sich selbst, tauchen sich in Spiritus, der Teppich steht in Brand und Rauch füllt allen Raum, mit dem Himmel als Dach.

Die Live-Auftritte von Omni Selassi sind ein pochender Trip, angetrieben durch zwei Schlagzeuge, stets gespickt mit verspielten Geräuschelementen und durchzogen von Dubachs mystisch-schöner Stimme.

Maria Sternhagel Vollmann (DJ Set)

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Zutritt nur mit Covid-Zertifikat und amtlichem Ausweis. Bitte registrieren Sie sich vorgängig im BuCK Corona-Tool, um Wartezeiten zu vermeiden: https://www.buck-bern.ch/coronaWeitere Informationen hier.

Fotocredits: Lasse Marhaug (Lost Girls), Charlotte Krieger (Lafawndah), Olle Vollmann (Maria Sternhagel Vollmann)