Diese Veranstaltung musste leider abgesagt werden.

Patricia Kopatchinskaja hat mit den drei Musikerfreunden Reto Bieri, Annekatrin Klein und Anthony Romaniuk Kurt Schwitters «Ursonate» verfilmt, jenen Meilenstein des Nonsens aus der Dada-Zeit. Die Berner Filmpremiere werden sie persönlich mit passenden Musikstücken und einer anschliessenden Publikumsdiskussion umrahmen.

Kurt Schwitters «Ursonate» - vom Zufall zur Nachwirkung

Keimzelle von Schwitters Ursonate war ein sinnfreies zweizeiliges Lautgedicht des Berliner Dadaisten Raoul Haussmann. Es entstand durch zufälliges Auslesen von Buchstaben aus dem Setzkasten und ging so:

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Es wurde barrierefrei auf Plakaten veröffentlicht: Zufällige Kunst für das Volk, eine revolutionäre Neuerung

Der Multimediakünstler Kurt Schwitters hörte Haussmann mit diesem Gedicht am Anti-Dada-Kongress in Prag im Jahr 1921. Auf der Heimreise in der Eisenbahn habe er das Gedicht dauernd rezitiert, es wollte ihm nicht aus dem Kopf. Er modifizierte es zwecks leichterer Sprechbarkeit. Und schliesslich wurde Fümms bö wö tä zä uu pögiff… zum ersten Thema seiner Ursonate; auch diese ein grosses sinnfreies Lautgedicht in viersätziger Sonatenfassung, das seine definitive Form 1932 fand.

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Patricia Kopatchinskaja hat das Stück nicht losgelassen, aber zum Rezitieren ist es lang und ermüdend. Beim Versuch, es wiederzubeleben, entstand die Idee einer Verfilmung.

Die filmische Realisation befleissigt sich des Minimalismus – Schwitters arbeitete in seiner Kunst gerne mit Abfällen. Entsprechend sind die Requisiten Alltagsgegenstände – z.B. ein im Eisschrank vorgefundener Salami – sowie Abfallsäcke und Toilettenpapier.

Zwar verstand sich Schwitters nicht als Teil der Dada-Bewegung, beide standen jedoch im Gegensatz zur traditionellen, imperial geprägten Kultur des Bürgertums, sie bauten auf  und mit den Trümmern des ersten Weltkrieges.

Aber bald verfemten die Nationalsozialisten diese Künstler in der Münchner Ausstellung «Entartete Kunst» von 1937. Dort gab es eine eigene Dada-Wand, vertreten waren George Grosz, Kurt Schwitters, Paul Klee und Wassily Kandinsky. Ihre Werke wurden verboten, zerstört oder verkauft. Diese kleinbürgerliche Restauration des Kunstbetriebes endete mit dem zweiten Weltkrieg. Was Surrealist*innen und Dadaist*innen vor dem Krieg eingeleitet hatten, setzte Aktions- und Zufallskunst und die Fluxusbewegung der Nachkriegszeit mit Vertretern wie Cage, Tingueley oder Beuys fort.

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