Wir leben in einer Gesellschaft, die sich dem Fortschritt verschrieben hat: einem demokratischen, wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt, der uns allen vermeintlich soziale Gerechtigkeit, Wohlstand und ein gutes Leben, eine neue Welt oder sogar einen neuen Planeten bescheren würde. Eben diesen idyllischen Fortschrittsbegriff nimmt Nicoleta Esinencu in «Sinfonie des Fortschritts» ins Visier, indem sie dessen gewaltsamen Aspekte offenbart. Das Stück zeigt, wie durch den Fortschritt des kapitalistischen Systems unablässig neue Formen der Ausbeutung und der Kolonisation entstehen. Es zeigt, wie der technologische Fortschritt zu Kontrolle und Bestrafung führt, anstatt zu schützen oder zu unterstützen und wie die Gewalt in den Beziehungen zwischen West und Ost fortschreitet und durch die Pandemie sogar verstärkt wurde. Unterstützt vom hämmernden Sound von Arbeitsgeräten und Maschinenteilen erzählen Nicoleta Esinencu und das Kollektiv spălătorie von Menschen aus Osteuropa, die unter unwürdigen Bedingungen im Westen arbeiten müssen, um zu überleben.

Die Regisseurin und Autorin Nicoleta Esinencu lebt in Chisinau, Moldawien. Durch ein Stipendium an der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart erlangte sie 2005 internationale Bekanntheit mit ihrem Stück «FUCK YOU, Eu.ro.Pa!». 2010 mitbegründete sie den unabhängigen Kulturort teatru-spălătorie. Dieser musste 2017 wieder schliessen, doch das Kollektiv besteht als freie Theatergruppe weiter. «Sinfonie des Fortschritts» ist die zweite gemeinsame Produktion mit dem HAU Hebbel am Ufer in Berlin.

Von: Nicoleta Esinencu, teatru-spălătorie
Performer*innen: Artiom Zavadovsky, Doriana Talmazan, Kira Semionov
Technische Entwicklung: Iulian Lungu, Neonil Rosa
Technik: Sergiu Iachimov
Produktionsleitung: Jana Penz
Künstlerische Beratung: Aenne Quiñones
Technische Leitung HAU: Annette Becker
Ton HAU: Janis Klinkhammer
Licht HAU: Lea Schneidermann

Koproduktion: FFT Düsseldorf, HELLERAU Dresden, Rampe Stuttgart, Festival Theaterformen