Was ist Zeit? Ein Ingenieur würde sagen: Präzision. Für einen Physiker ist Zeit Veränderung und Relativität.Für Musiker ist es Tempo und Agogik. Das Kollektiv Mycelium erforscht in einem zwischen Installation und Konzert pendelnden Aufführungsformat diese knappe Ressource des Alltags: die Zeit.

Die Zeitmessung ist über die Jahrhunderte von der Sonnenuhr, Sanduhr, zu mechanischen Uhren, Quarzuhren und Atomuhren immer genauer geworden. In der Physik beweist Einstein jedoch, dass es kein absolutes Koordinatensystem der Zeit gibt. Auch die Zeitwahrnehmung in der Musik ist subjektiv abhängig von Raum, Dichte, Tempo und persönlichem Zustand des Hörers.

In der Installation zeigt Mycelium die autoethnografische, wissenschaftlich­kulturelle Auseinandersetzung mit dem Widersprüchlichen der Zeit.

In der Performance verwandelt sich der Konzertsaal in ein Apartment, in dem die ausgestellten Objekte des Alltags zum Leben erweckt werden. Sinneseindrücke, Aktionen und Musiken überlagern sich. Wir dehnen, verlangsamen, beschleunigen, überlagern und falten die Wahrnehmung der Zeit durch die Musik. Mal komponiert, mal zufällig.

Der Audiodesigner Robert Torche entwickelt zusammen mit dem Cern-Physiker Robert Kieffer und dem Ingenieur Benjamin Voumard kuriose Instrumente, mit denen physikalische Daten kosmischer Strahlung und die Akustik des Raumes live zufallsbedingte Klänge und Partituren generieren.

Die Raumzeit und elementare Bausteine der Materie, die uns umgeben, werden hör- und sichtbar.

Programm

Kollektiv Mycelium: «Pendulum» Installation / Konzert (2018, UA)

Credits

HannaH Walter, Violine; Benoît Morel, Viola; Mariella Bachmann, Klarinette; Stefanie Mirwald, Akkordeon; Robert Torche, Elektronik/ Komposition; Benjamin Voumard, Ingenieur mit Spezialisierung im Bereich der Uhrmacherkunst; Robert Kieffer, Teilchenphysiker am CERN/ Komposition.