Ein Gewebe unterschiedlichen Musizierens (und Sprechens über und mit Musik) entfaltet sich im zweiten Konzert. Graham Valentine und Martin Schütz improvisieren, Christina Daletska und Walter Prossnitz interpretieren Ives, unser Festivalphilosoph meldet sich zu Wort und Marcel Zaes schichtet Rhythmen und Tonfolgen.

Der Vokalist Graham Valentine und der Cellist Martin Schütz kennen sich seit den 80er Jahren aus Produktionen von Christoph Marthaler. Seither improvisieren sie immer wieder zusammen.

Texturen, wandlungsfähige Gewebe aus wiederholten und variierten Tonfolgen und (Mikro-)Rhythmen stehen im Mittelpunkt des neuen Kammermusikwerks «Textur A» von Marcel Zaes. Keine Repetition allerdings deckt sich mit einer anderen. Groove-Elemente kristallisieren sich langsam aus der Texturlandschaft heraus, drohen allerdings stetig auseinanderzufallen. Die rhythmischen «Patterns», die Zaes mit dem digitalen BRAID. live Algorithmus entwickelt, werden in einem Translations- und Transkriptionsprozess auf einen instrumentalen Klangkörper übertragen. Durch die Elektronik kommt eine digitale Zeitlichkeit ins Spiel. So wird die Musik sozusagen zu orchestriertem Techno.

Charles Ives war einer, der ersten der unterschiedliche Musiken und Zeitschichten übereinanderlegte – was auch in seinen Songs spürbar wird, die von Christina Daletska und Walter Prossnitz vorgetragen werden.

Dazwischen interveniert Christian Grüny mit seiner «Minutentheorie»: «Was kann man in einer Minute schon sagen? Man fängt an, wird zu schnell, stolpert, muss abbrechen. Oder hat man zu spät angefangen? War die Zeit zu kurz oder der Gedanke zu lang? Oder kann man sich auch in der Kürze einrichten? Schon wieder Schluss, dabei bleibt so viel zu sagen. Neu anfangen, schnell!»

Programm

Einlass mit dem hornroh modern alphorn quartet

Improvisationen mit Graham Valentine, Stimme und Martin Schütz, Violoncello

Marcel Zaes (*1984): «Textur A» für stark verstärktes Kammerensemble, Elektronik und Lautsprecher (2018, UA)

Credits

Virginia Arancio, E-Gitarre; Jordan Dykstra, Viola; Elise Jacoberger, Fagott; Simone Keller, Piano; Ernesto Molinari, Bassklarinette; Marcel Zaes, Komposition / Elektronik
Christian Grüny: «Minutentheorie» Kürzestvorträge
Charles Ives (1874–1954): «Songs»
Christina Daletska, Sopran; Walter Prossnitz, Klavier

Eine Veranstaltung von Musikfestival Bern und Marcel Zaes in Kooperation mit Dampfzentrale Bern.