In Vorbereitung auf ihre zweite abendfüllenden Arbeit «when mama was moth, i took bulb form» im Dezember 2020 widmen sich Moschini/Popall mit laughing into each other’s mouth einer ihrer grundlegenden Praxen in ihrem künstlerischen Schaffensprozess— dem Schreiben. Das Schreiben begleitet ihre performative Arbeit, die zwischen Tanz, Theater und bildender Kunst oszilliert. Die dadurch entstehenden Atmosphären, dramaturgischen Stränge und phantastischen Welten bilden das Fundament ihrer Beschäftigung mit dem Körper als politisches Spannungsfeld.

In ihr dreitägiges Schreiblabor laden Moschini/Popall die Lyrikerin und Performancekünstlerin Tabea Xenia Magyar ein. Gemeinsam untersuchen sie die Schnittstellen ihrer künstlerischen Praxen und geben in einer Lesung mit Gespräch Einblick in ihre Begegnung.

Tabea Xenia Magyar

Tabea Xenia Magyar lebt und arbeitet als Choreographin, Performerin und Lyrikerin in Berlin und der Schweiz. Sie wurde 1988 in Zürich geboren, wo sie Philosophie, Politikwissenschaft und Französisch studierte. Tabea ist Teil der Kollektive BlingBlingRecycling und des Lyrikkollektives G13, mit denen sie regelmässig auftritt. Weitere Informationen zu den Kollektiven finden sich unter G13 und BlingBlingRecycling Collective.

Bereits in ihrem Studium beschäftigte sie sich mit der Frage, wie man künstlerische Praxis mit anderen teilen kann und schuf damit den Kontext, in dem sie ihre Werke entwickelt. Ihr Ausgangspunkt ist die Suche nach Intimität als Versprechen einer möglichen Solidarität. Angriffsfläche, Universalität durch radikale Subjektivität, unaufdringliches politisches Engagement und eine Aufmerksamkeit für Performance als Erlebnis der Zuschauer*innen sind Konzepte, die in ihrer Arbeit eine zentrale Rolle spielen. Ihre Stücke zeichnen sich durch ein verborgenes Angebot komplexer Gedankengänge und das Interesse an profundem tänzerischem Handwerk und der Materialität des Körpers aus. Daneben benutzt sie auch Zeichnungen und Textmaterial als Grundlage ihrer tänzerische Arbeit. Als Grenzgängerin zwischen verschiedenen künstlerischen und akademischen Disziplinen hat sie ein umfassendes Verständnis von Choreographie als Aufmerksamkeit für das Erlebnis des Körpers im Raum.

Moschini/Popall

In ihren performativen Arbeiten, untersuchen Moschini/Popall das kreative Potenzial körperlicher Symptome, die durch gesellschaftliche Impulse hervorgerufen werden. Sie interessieren sich für den menschlichen Körper als politisches Narrativ und loten das Spannungsfeld zwischen Öffentlichkeit und Intimität aus.
Die Kurzstücke A LOVERS’ BATH (2016) und VOLCANO (2018), in denen Moschini/Popall die Grenzen von Sexualität, Potenz und Ohnmacht ausloten, markieren den Auftakt ihrer Zusammenarbeit und wurden u.a. in der Dampfzentrale Bern und in der Roten Fabrik Zürich gezeigt. Infolge dieser beider Arbeiten realisierten sie in Koproduktion mit der Dampfzentrale Bern, dem Roxy Birsfelden, dem Fabriktheater Rote Fabrik und Südpol Luzern das abendfüllende Stück SOFT TISSUE.
SOFT TISSUE wurde von Danse & Dramaturgie, ein Programm initiiert von Théâtre Sévelin 36, in Zusammenarbeit mit der Dampfzentrale Bern, Tanzhaus Zürich, TU-Théâtre de l’Usine, ROXY Birsfelden, mit Unterstützung von Pro Helvetia und SSA Société Suisse des Auteurs begleitet.

Fotocredits: Nicole Pfister