«Title» ist ein Stück für Bedeutungssüchtige. Und bedeutungssüchtig sind wir alle, dafür sorgen Laura Kalauz und Martin Schick gleich zu Beginn ihrer Performance. Ausgehend von Wittgensteins Zitat «Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt» erforschen die junge argentinische Performerin Laura Kalauz und der in Berlin lebende Schweizer Schauspieler Martin Schick irrationale Felder in der Kommunikation und spielen mit den Grenzen der Vernunft. Sie hinterfragen gängige Annahmen, stereotype Verhaltensmuster und liefern sich witzige Wortspiele, ähnlich einer Comedy-Show, jedoch scheinbar genährt von einem Seminar in Diskursanalyse. «Let us agree on the fact that we do not understand each other» – darauf einigen sich die Gesprächspartner schon im Vorfeld. Und so setzen sich Mann und Frau auf Campingstühlen und einem Flipchart ganz einfach über ihre minimale Ausdrucksweise hinweg und verlagern ihre Sprachspiele über den Körper in den Raum. Damit schaffen sie eine gemeinsame Ebene, die jenseits allfälliger Standpunkte oder Meinungen aller Beteiligten liegt und über die engen Grenzen des Sinnvollen hinausgestikuliert. In diesen vertrackten «Sprachspielen», an denen auch Körper, Gesten und Objekte beteiligt sind, entblössen sie Worte als vereinbarte Zeichen, heben eingespielte Bedeutungen auf, um neue herzustellen und haken dort ein, wo Missverständnisse schöpferisch werden. Sie verführen, inspirieren und verwirren einander – und gleichzeitig das Publikum.«Title» ist das Ergebnis einer Recherche, die Missverständnisse als Basis für eine unvernünftige, aber mögliche Kommunikation auffasst. Dass der Aufführung die Spuren eines permanenten Arbeitsprozesses anhaften, verleiht ihr eine improvisatorische Direktheit und tut dem präzisen Ablauf und der Beherrschung der schauspielerischen und tänzerischen Mittel keinen Abbruch. Dank der Bühnenpräsenz der beiden Performer gelingt es, das Publikum auf immer neue verschlungene Wege der Reflexion zu locken und es im Laufe des Abends zunehmend für ihre Erkundung zu gewinnen. Die Kombination von komplexen konzeptuellen Inhalten und einfachen formalen Mitteln, von verspieltem Humor und rationalistisch abstrakter Analyse ist hier auf überzeugende Weise gelungen.«Title» wurde im Rahmen des 30. Zürcher Theater Spektakels mit dem ZKB Förderpreis ausgezeichnet: «Das Stück ist angelegt als eine Serie von Spielanordnungen, auf die sich die beiden Performer auf lustvolle und gewiefte Weise einlassen. Diese Spielwiesen-Dramaturgie erlaubt es ihnen, mit grosser Leichtigkeit abstrakte sprachphilosophische Fragestellungen in den Raum zu stellen und dabei dem alten Traum nachzugehen von einer Sprache, in der Wort und Ding ohne Zweideutigkeit zusammenfallen». (Jury ZKB Förderpreis 2009)