Ron Morelli (L.I.E.S.)

«L.I.E.S. is electronic in production but punk in spirit» – so beschreibt Resident Advisor das Label von Ron Morelli. Und das trifft in vielen Belangen auch auf seine eigenen Produktionen zu: Punk im Geiste, die Resultate aber sind gleichermassen in den Fächern Industrial, Disco, Techno oder Elektro abgelegt – oder aber eben in gar keinem Fach. Sowieso – Unvorhersehbarkeit ist ein wichtiges Attribut wenn Morellis’ Schaffen beschrieben werden soll. Der New Yorker ist in keinem Tempobereich festzunageln und entsprechend eklektisch sind seine DJ-Sets. Die Tatsache aber, dass die meisten seiner Platten auf dem so wichtigen Label Hospital Productions erschienen sind, lässt erahnen: Roh wird es und kantig wird es auch.

S S S S (Haunter Records, aufnahme + wiedergabe)

Und da sich diese Veranstaltungsreihe den fundamentalen Problemen widmet, hat auch unser zweiter Gast einschneidende Lösungsvorschläge im Köcher. S S S S ist zweikommasieben-Sympathisant und Schweizer Exportschlager in Sachen unbequemer Musikelektronik. Die jüngsten Veröffentlichungen, unter anderem auf internationalen Labels wie Haunter Records oder aufnahme + wiedergabe könnte man so deuten:
S S S S ist weniger am Diskurs über gängige Dancefloormuster interessiert als an der Frage, wo es denn gegenwärtig brennt in diesem Clubgeschehen. Seine Ansätze hierbei sind das Untersuchen und Weiterentwickeln jener Keime, die auf dem Gebiet des Industrial Techno und im weitesten Sinne auch der Sound Art gediehen sind.

Kia Mann (Statement, Studio Mondial)

Kia Mann schlussendlich ist, was wir einen wesentlichen DJ nennen: Ein Auge auf der Dynamik, ein Auge auf dem Style und das dritte Auge auf ständiger Erkundungstour durch die Diskographie dieser Welt. Den Beweis dafür, dass ihr dieses Wandern kompromisslos gut gelingt, hat sie vor Kurzem auf dem Mixtape «Material for the next Layer» (erschienen auf unvague) erbracht. Kia Mann ist ausserdem Teil der Initiative und DJ-Crew STATEMENT, welche sich für Diversität und die Sichtbarkeit von Frauen im Clubgeschehen einsetzt.

Sagen wir also, wir haben es hier mit einem Trio Infernale zu tun, von welchem wir einfordern dürfen, was der Dancefloor herzugeben hat. Oder um Ron Morelli zu zitieren: «Punk and House music, it’s the same to me».