Auf erhitztem pinken Terrain unter fluoreszierendem Himmel schlagen menschliche und nicht-menschliche Protagonisten für eine Nacht ihr Camp auf und eröffnen uns einen queeren Blick auf einen kaleidoskopischen Körper. Mittels Meditation und Choreografie werden in dieser neuen Produktion von Simone Aughterlony, Antonia Livingstone und Hahn Rowe die Hierarchie des Denkens und Fühlens neu ausgerichtet und die dadurch entstehende fließende Wechselbeziehung zwischen dem Materiellen und dem Immateriellen spielerisch bearbeitet. Die Umdeutung menschlicher Verhaltensmuster lässt beiläufig Aktivitäten entstehen, die Tanz sein oder wie Musik klingen könnten.

«Supernatural» schlägt eine Wildnis vor, in der eine Vielfalt von Akteuren ohne metaphysische Hierarchie zusammenleben kann – die Schlagkraft der Klinge, die Haut, das Holz, das Seil, der Blick und alle Dinge die uns umgeben treffen liebevoll aufeinander und debattieren hitzig über ihre politische Ökologie.

Das queere Leben weiß, dass ein Spiel mit Maskeraden die Auflösung normativer Identitätsmuster zur Folge haben kann. Darum wird in «Supernatural» die Topographie von Genderwahrnehmung zu Hackwerk und eine verspielte Techno-Konstruktion von multiplen Körpern und Lüsten tritt in Erscheinung.

Bewegungs-Recherche oder unterhaltsame postpornografische Praktik? Wie auch immer wir uns entscheiden: in «Supernatural» treten Körper und ihre Begleitmaterialien in einen Austausch, der den Unterschied zwischen aufgeregt sein, aufregend sein und gemeinsamer Erregung nicht länger kennt.

Simone Aughterlony ist eine freischaffende Künstlerin, sie lebt in Berlin und Zürich und arbeitet vorwiegend in den Bereichen Tanz und Performance. Sie hat mit Persönlichkeiten wie Meg Stuart / Damaged Goods, Forced Entertainment und dem Filmemacher Jorge Leon zusammengearbeitet. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit den dem transformativen Potenzial des Körpers und den daraus entstehenden choreografischen Überlegungen. Ihr Interesse gilt dem Umgang mit Humor und dem Geheimnis des Wunsches. Damit will sie in ihren Performances politische Auseinandersetzungen provozieren.

Antonija Livingstone arbeitet oft mit bildenden Künstlern, Tänzern oder Fremden, die Choreografie als kuratorische Praxis nutzen. Ihre Events oder zeitbasierten Skulpturen legen einen Schwerpunkt auf seltene Auftritte und aussterbende Praktiken.

Hahn Rowe ist ein international renommierter Geiger, Gitarrist, Komponist. Als Musiker hat er mit Glenn Branca, Foetus, Swans, Ikue Mori, REM, David Byrne und Moby zusammengearbeitet. Mit Meg Stuart produzierte er bereits acht Tanzstücke. In seiner Heimatstadt New York erhielt er drei Bessie und New York Dance and Performance Awards.

 

Credits
Von und mit: Simone Aughterlony, Antonija Livingstone, Hahn Rowe. Konzept: Simone Aughterlony. Sound: Hahn Rowe. Dramaturgische Beratung: Saša Božić, Jorge León. Kostüme: Antonija Livingstone, Judith Steinmann. Licht: Florian Bach. Technische Leitung: Ursula Degen. Produktionsleitung: Nicole Barras, Michael Nijs. Produktion: Simone Aughterlony – Verein für allgemeines Wohl. Koproduktion: Gessnerallee Zürich, HAU Hebbel am Ufer Berlin, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt, Theater Freiburg.
Gefördert durch: NATIONALE PERFORMANCE NETZ (NPN) Koproduktionsförderung Tanz, Stadt Zürich Kultur, Kanton Zürich Fachstelle Kultur und Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.
Dank an Vladimir Miller, Anna Mülter, Lucie Tuma, Tobaron Waxman.