Sinnlichkeit tritt in der zeitgenössischen Musik oftmals zu Gunsten des Rationalen zurück. Doch gerade in diesem Programm erleben wir eine sinnliche Herangehensweise, die Lust am Klang und das Bedürfnis nach Ausdruck. Die Ausdruckswelt von Samuel Andreyevs Komposition entstand als Antwort auf die Malerei Vermeers mit ihrem Fokus auf Innenräume und Menschen, die darin still in akribische Tätigkeiten vertieft sind. Das Stück existiert somit innerhalb begrenzter Räume, während es immer danach strebt, diese zu transzendieren.

«Vox silentii» von Nadir Vassena ist eine lange Meditation durch das Hören. Es ist ein utopisches Stück, das Intonationspräzision an der Grenze des Machbaren und ein Eintauchen in einen extrem gedehnten Zeitfluss erfordert. Es bleibt kein Platz für Spezialeffekte, um die Hörer*innen zu beeindrucken. Die Hörer*innen sind nicht Zuschauer*innen, sondern Zeug*innen von Klangereignissen, die geboren werden und sterben und sich ständig erneuern.

Programm

Andreyev, Samuel (*1981), Neues Werk (2020) UA
Vassena, Nadir (*1970), «vox silentii» (2020) UA

Dirigent: Francesco Bossaglia.
Flöte: Bettina Berger.
Oboe: Martin Bliggenstorfer.
Klarinette: Richard Haynes.
Fagott: Elise Jacoberger.
Harfe: Vera Schnider.
Klavier: Samuel Fried.
Violine: Maximilian Haft.
Violoncello: Jan-Filip Ťupa.
Foto: Remo Ubezio.