«Let’s get physical» (Vorpremiere: 17. März)


Das Kollektiv Delgado Fuchs – das sind der in Brüssel aufgewachsene Spanier Marco Delgado und die gebürtige Bernerin Nadine Fuchs. Sie lernten sich bei der Tanzkompanie Nomades kennen, tanzten beim Berner Stadttheater und gründeten 2002 ihr eigenes Kollektiv. Ein Zusammenschluss, der für eine gemeinsame Philosophie steht: ein offe­nes System, basierend auf Meinungsaustausch und Teilung der künstlerischen Ver­antwortung. Marco Delgado und Nadine Fuchs bilden das Fundament des Kollektivs, auf dem unterschiedlichste Zusammen­arbeiten entstehen. 2002 präsentierten sie ihr erstes abendfüllendes Stück, «Le tour d’bebel». Es folgten «Sexual healing» und «China Connection». Mit «Manteau long en laine marine porté sur un pull à encolure détendue avec un pantalon peau de pêche et des chaussures pointues en nubuck rouge» (2007) erfuhren Delgado Fuchs einen grossen internationalen Erfolg.

 

In «Let’s get physical» werden die dem männ­lichen und weiblichen Geschlecht zuge­ordneten Stereotypen zunichte gemacht. Die Gesetzmässigkeiten, welche die sexuellen Unterschiede bestimmen, werden brüchig und öffnen sich somit für ein Spiel, bei dem die Verführung sich als Kunstgriff entfaltet. «Let’s get physical» versteht sich als Weiterführung von «Manteau long … » und fragt nach der Beziehung zwischen dem Körper und seinem Erscheinungsbild. Delgado Fuchs führen ihre Recherche über ihre gemeinsame Faszination weiter: das zwiespältige Spiel mit dem Körper und der Bewegung. Der Körper erforscht sich, er erprobt sich, er misst sich aus, einzeln, oder choreografiert durch den Anderen (verkleidet, geschmückt, als würde es sich um eine Installation handeln). Halb ernsthaft, halb trivial – die Performance spielt mit dem Register der Mehrdeutigkeit und tut dies mit Witz und Selbstironie.

 

 

«Graatzug – das Bühnenstück zum Film» (Premiere: 17. März)

 

In früheren Zeiten sassen die Leute nachts beisammen und erzählten sich Geschichten von unheimlichen Gestalten, die die Zuhörer erschaudern liessen. Im Wallis berichtete man von den Geistern des Graatzugs. Der Sage nach müssen sich die Seelen Verstorbe­ner in den Graatzug einreihen, um auf ewig in dieser unheiligen Prozession ihre Untaten zu sühnen. Dazu müssen die armen Gestalten einen immer gleichen, beschwerlichen Weg hinauf ins ewige Eis zu den Gletschern gehen. Wo die grauenhaften Wesen vor­beiziehen, hinterlassen sie Furcht und Faszination. Die Sünder des Graatzugs sind verdammt auf alle Zeit.

 

Fasziniert von dieser alten Walliser Sage, entstand bei Nina Stadler und Annalena Fröhlich die Idee für einen Tanzfilm. Daraus ist in enger Zusammenarbeit mit dem Filmer Jan Mühlethaler ein schauderhaft schönes Kunstwerk entstanden. «Graatzug» feierte im Oktober 2011 am internationalen Kurzfilmfestival SHNIT in Bern seine Premiere.

 

Film und Bühne werden nun zu einem neuen Ganzen: «Graatzug – das Bühnenstück zum Film» ist das erste Bühnenstück des jungen Berner Künstlerkollektivs deRothfils und feiert in der Dampfzentrale Premiere. Die ZuschauerInnen werden in längst vergangene Zeiten und Geschichten, hinab in die abgründige Zwischenwelt der Geister entführt: Familie Tanner trifft sich im grosszügigen Familiensitz zum üppigen Essen. Im Verlauf des Abends fällt langsam alles in sich zusammen, es wird marode und kalt, und es brechen menschliche wie räumliche Abgründe auf. Eine zur Realität verschobene zweite Ebene wird sichtbar, und die feine Grenze zwischen Wirklichkeit und Parallelwelt verwischt immer mehr.

 

 

Premierenfeier mit DJ KG am Fr, 17. Februar im Anschluss an die Vorstellung.

 

 

Delgado Fuchs: Von und mit: Nadine Fuchs, Marco Delgado. Künstlerische Zusammenarbeit: Graziella Jouan. Lichtkreation: Alice Dussart. Videoaufnahmen, Montage: Bruno Deville. Musikalische Zusammenarbeit: Stéphane Vecchione. Licht: Pablo Weber. Technische Leitung: Vincent Tandonnet. Off-Stimme: Sylvain Portmann. Produktion: Margarita Productions. Diffusion: Art Happens / Sarah De Ganck. Koproduktion: Scène National Le Merlan in Marseille. Unterstützt durch das Artist-in-Residence-Programm von Tanzlabor_21 / Tanzbasis Frankfurt_Rhein_Main, WP (work space) Zimmer, Antwerpen und das Théâtre Sévelin 36, Lausanne. Unterstützung Produktion: Ville de Lausanne, Canton de Vaud, Pro Helvetia − Schweizer Kulturstiftung, Ernst Göhner Stiftung, Migros Vaud, KulturStadtBern. Gastspiel unterstützt von: Burgergemeinde Bern.

 

deRothfils: Mit: Mathis Künzler, Giulin Stäubli, Dominik Gysin, Gina Gurtner, Moritz Alfons, Nina Stadler, Annalena Fröhlich. Bühne: Stefanie Liniger. Dramaturgie, Œil extérieur: Katharina Ramser. Licht: Mirjam Berger. Kostüme: Heinz Allemann & P.A.M.B.. Maske: Mia Bregar. Musik: Annalena Fröhlich. Idee, Realisation, Choreografie: deRothfils. Produktionsleitung: deRothfils. Unterstützung Produktion: KulturStadtBern, Erziehungsdirektion des Kantons Bern, Artephila Stiftung, Gesellschaft zu Ober-Gerwern, Burgergemeinde Bern. Danksagung an: Sepia Agency, Adrian Zahn, P.A.M.B., Heinz Allemann, Mia Bregar, Stadttheater Bern, Ballsaal. «Graatzug» – der Film: Tanz: Moritz Alfons, Misato Inoue, Félix Duméril, Francesca Honegger, Michaël Pascault, Nina Stadler, Annalena Fröhlich. Regie: Jan Mühlethaler. Choreografie, Inszenierung: deRothfils (Nina Stadler, Annalena Fröhlich). Kamera: Philipp Künzli.