Circuit Des Yeux

Big enough to hold the world

Nach ihrem Auftritt am Saint Ghetto Festival 2018 spielt Haley Fohr alias Circuit Des Yeux zum zweiten Mal in der Dampfzentrale und präsentiert ihr neues Album «-io». Begleitet wird sie vom lokalen Kaleidoscope String Quartet. Dieses hatte schon dazu beigetragen, Dorian Woods herzergreifende Hommage an die Sängerin Chavela Vargas im April 2019 zu einem unvergesslichen Abend werden zu lassen.

Fohr ist in der experimentellen Szene Chicagos zuhause, mit ihren Soloprojekt Circuit Des Yeux jedoch unbestritten eine internationale Grösse im musikalischen Untergrund. Bekannt für ihre einnehmende Bariton-Stimme und die wandelnden, rundum wachsenden Stimmungen bewegen sich ihre dunkel-gefärbten Songs zwischen dramatischem Singer/Songwriter-Folk, psychedelischem Kunst-Pop und melancholischer Electronica.

Vier Jahre sind seit «Reaching For Indigo», dem fünften und bis anhin letzten Longplayer von Circuit Des Yeux, vergangen. Grund für die Stille war eine von Schicksalsschlägen geprägte Schreibblockade der Künstlerin – der Verlust eines nahestehenden Menschen und Liebeskummer. Die Blockade kam während einer Künstlerresidenz in Florida zu einem Ende, und zwar als sich Fohr von der Gitarre abwendete und begann, an der Orgel zu komponieren. Das ursprüngliche Ziel der Residenz war es, nach der langen Trauerphase die harte Arbeit des Glücklich-seins zu erforschen. «-io» der Albumtitel beschreibt eine Welt in der Welt, die Fohr zu kultivieren lernte – ein Ort wo ständig alles endet. Wie in einem Schwarzen Loch, ein thematisches Element, das in den Lyrics immer wieder präsent ist.

Fohr arrangierte und produzierte jede einzelne Note auf «-io» selber zuhause am Computer. Geschrieben sind die Stücke jedoch für ein Orchester mit 23 Musiker*innen; das Album ist also gewaltiger als alles, was sie bisher aufgenommen hat – gewaltig genug, um die Welt mit samt all ihrem Tumult zu halten. Die Trauer, der Schmerz expandiert und wird passier- und überwindbar.

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Im Vorprogramm präsentieren wir eine von wenigen Europa-Auftritten eines unaussprechbaren Projektes aus dem Südosten der Vereinigten Staaten: —__–__, bestehend aus Mari Maurice (solo bekannt als More Eaze) und Seth Graham.

Maris verfremdete Gesangsstimme schwebt über einem minimalen, elektronischen Klangbild, welches durch live gespielte Holzbläser- und Saitenklänge durchbrochen wird. Stimmungsmässig liegt das im letzten Jahr erschienene Debutalbum «The Heart Pumps Kool-Aid» irgendwo zwischen «Tilt» von Scott Walker und «Blemish» von David Sylvian. Letzterer hat sich denn auch dazu hinreissen lassen, per Twitter bekanntzugeben, diese Platte sei schlicht «the future of music». Das Magazin Pitchfork wiederum umschreibt ihre Musik wie folgt: «The music’s frequent rests and lacunae lend its jazz-tinged electroacoustic mesh a stony, severe quality. What’s not there holds impossible weight. This music is not so much about emptiness as it is about the point at which emptiness becomes substance.»


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