«O! wie weh ist die Welt, wie wahnig das Weh, wie weltlich der Wahn!» Der österreichische Dichter Georg Trakl fühlte sich als Fremdkörper in einer Welt, die ihn gleichermassen anzog und abstiess. Seinem sehnsüchtig-angewidert-schmerzlichen In-der-Welt-Sein gab er in bildreicher, musikalischer Sprache Ausdruck.

Christian Henkings Neukomposition «In eines Spiegels Bläue» wagt einen Blick in dieses zerissene Ich und übersetzt dessen Irr-Sein in eine vielstimmige Musik, welche den emotionalen Abgründen Struktur und Konkretes entgegensetzt. Wie Irrlichter wandern die Figuren durch den Raum, ruhelos, unsicher zwischen Orten, an denen ein Gegenstand oder Brief sie einen Augenblick verankern in der fassbaren Welt. Sie begegnen sich und bleiben doch allein. Manchmal ergänzen sich Musik und Wort und alles wird ruhig und kurz ganz klar. Doch gleich verschwimmt das Bild wieder und die Welt gerät erneut aus den Fugen. Trakls schonungsloser Blick nach innen ist auch ein Blick auf uns und den Kampf gegen die Dämonen, die in jedem von uns schlummern.


Christian Henking, Komposition

Geboren 1961. Nach dem Abitur Musiktheoriestudium bei Theo Hirsbrunner, danach während zwei Jahren Kapellmeisterausbildung bei Ewald Körner. Ab 1987 Kompositionsstudium bei Cristobal Halffter und Edison Denisov, in Meisterkursen bei Wolfgang Rihm und Heinz Holliger. Diverse Kompositionspreise, u.a. im Jahr 2000 zusammen mit vier anderen Komponist*innen den von Heinz Holliger verliehenen Kulturpreis der Bürgi-Willert-Stiftung, 2002 den Anerkennungspreis des Kantons Bern, 2016 den Musikpreis des Kantons Bern. Er ist Dozent an der Hochschule der Künste Bern für Komposition, theoretische Fächer und Kammermusik. Künstlerischer Beirat beim ensemble proton bern. Seine Werke erscheinen beim Verlag Müller & Schade.

InEinesSpiegelsBlaeue_Henking


Leslie Leon, Mezzosopran

Leslie Leon studierte in Berlin und Hamburg und ist neben ihrer Bühnentätigkeit in Oper und Konzert eine gefragte Interpretin zeitgenössischer und alter Musik. Sie erhielt Einladungen unter anderem zum Lucerne Festival, Wien Modern, Musikfest Berlin, Festival de Mexico en el Centro Histórico, Theaterspektakel Zürich, Warschauer Herbst und MaerzMusik Berlin. Sie arbeitet mit Ensembles wie dem Klangforum Wien, dem ensemble für neue musik zürich und dem Gewandhaus Orchester Leipzig.


Martina Brodbeck, Cello

Martina Brodbeck wurde in Basel geboren und studierte Cello and der Musikakademie Basel bei Thomas Demenga. Sie ist Solocellistin der basel sinfonietta und Mitglied des Nouvel Ensemble Contemporain La Chaux-de-Fonds. Sie beschäftigt sich intensiv mit zeitgenössischer Musik und tritt mit verschiedenen Kammermusikformationen (u.a. mit dem Ensemble Phoenix Basel, dem Ensemble ö und dem Ensemble contrechamps Genf) in Europa, China und in den USA auf.


Ingrid Karlen, Klavier

Nach ihren Studien in Zürich, Basel (Jürg Wyttenbach) und Paris (Claude Helffer) konzentrierte sich Ingrid Karlen auf die Musik des späten 19., des 20. und 21. Jahrhunderts. Konzerte als Solistin und Kammermusikerin in Europa, den USA, der Ukraine, China, Neuseeland, Australien und Südafrika, u.a. am Lucerne Festival (Solistin in Beat Furrers «Face de la chaleur» für Klavier, Flöte, Klarinette und Orchester und mit dem Ensemble Aequatuor Uraufführung von zwei Kammeropern von Nadir Vassena und Alfred Zimmerlin), am Festival Wien modern (6 Klaviersonaten von Galina Ustwolskaja), Festival de Musica de Canarias (Solistin in «Requiem» für Klavier und Orchester von Wolfgang Rihm). Neben vielen Radioeinspielungen, Ur- und Erstaufführungen veröffentlichte sie eine Solo-CD «Variations» bei ECM.


Matthias Würsch, Perkussion

Nach seinen Studien an der Musik-Akademie Basel, die er mit dem Solistendiplom abschloss, bildete sich Matthias Würsch in Paris weiter. Er ist freies Mitglied verschiedenster Formationen wie dem Basler Kammerensemble oder dem ensemble modern in Frankfurt. Er trat als Solist an zahlreichen Festivals, in Rundfunk und Fernsehen im In- und Ausland auf. Sein besonderes Interesse gilt der Glasharmonika und dem ungarischen Zimbal.


Anita Vozza  Fotografie

Anita Vozza ist freischaffende Fotografin und Dozentin für Fotografie an der Schule für Gestaltung in Bern. Atelier an der Neumarktstrasse in Biel. Berufsausbildungen als Fotografin und Lehrerin. Im Zentrum ihrer fotografischen Tätigkeit stehen dokumentarische Arbeiten, das Einlassen auf die Dynamik einer Situation.


Simone von Büren, Dramaturgie

Studierte Englische und Amerikanische Literatur, Kinder-Jugend-Psychologie und Projekttheater an der Universität Bern und am Dartington College of Arts (UK). Nach einer Festanstellung als Musiktheaterdramaturgin am Theater Biel Solothurn arbeitet sie als freie Dramaturgin, u.a. mit Christof Loy (Alceste, Aix-en-Provence, 2010), 400asa (La cérémonie, Zürcher Theaterspektakel 2010), theater marie (Moby Dick, 2010) und in site-specific Projekten (z.Bsp. Hotel Offen, Hotel Verenahof Baden 2008; Käserei in der Vehfreude, Reithalle Aarau 2012). Seit 2007 ist sie Dozentin am Schweizerischen Literaturinstitut und im Studienbereich Theater der Hochschule der Künste Bern HKB.


Michaela Dicu, Regie

Michaela Dicu ist freischaffende Regisseurin. Sie arbeitet seit einigen Jahren spartenübergreifend im Schauspiel und Musiktheater. Sie studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Während dessen hospitierte und assistierte sie an den Staatsopern in Hamburg und Stuttgart. Nach ihrem Diplom arbeitete sie an der Staatsoper Stuttgart als Regieassistentin.

Komposition: Christian Henking
Mezzosopran: Leslie Leon
Violoncello: Martina Brodbeck
Klavier: Ingrid Karlen
Perkussion: Matthias Würsch

Regie: Michaela Dicu
Video/Fotografie: Anita Vozza
Dramaturgie: Simone von Büren
Produktionsleitung: Helena Tsiflidis (fonundtsu*)
Produktionsassistenz: Maxine Devaud

Gefördert durch:
Fondation Nestlé pour l’Art, Ernst Göhner Stiftung, Fondation SUISA, Stiftung Wolf, HMSL Stiftung, Fachausschuss Musik BS/BL, SWISSLOS/Kultur Kanton Bern, Kultur Stadt Bern, Schweizerische Interpretenstiftung, Burgergemeinde Bern, Migros-Kulturprozent