Sa 01.10 14:00 – 15:00 SCHLUSSPERFORMANCE 

Im Banne der Schwerkraft

Paul Klee hat sich mit vielen Themen rund um Musik und (zeitgenössischem) Tanz auseinandergesetzt. Eines der Themen betreffend Tanz war die Auseinandersetzung mit der Schwerkraft. Und über das Thema der Schwerkraft, damit, dass der Mensch, wie alle Lebewesen und Materien auf der Erde, «irdisch gebunden» ist. Er bedauerte, dass die irdische Haltung die Bewegungsformen eingrenzt. Es sei die Sprungkraft, die über die Schwerkraft triumphiere. In Anlehnung an diese Auseinandersetzung recherchiert inFlux vor Ort das Leitmotiv: Das Oszillieren zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit definiert die Bewegung.

Der oftmals von Tänzerinnen als selbstverständlich erachtete (Bühnen-) Boden ist hier Anziehungs- und Spielort, und dabei Symbol für die Schwerkraft an sich. Auf ihn lassen sich eine Tänzerin und ein Tänzer ein. Sie verstärken das «irdisch Gebundensein», indem sie immer wieder dem Drang, die Schwerelosigkeit zu überwinden, nachgegeben und dies mit dem ganzen Körper. So gleiten, rollen, fliegen sie über den Boden, stossen von ihm ab und sinken in ihn hinein. Der Körper schnellt immer wieder vom Boden hoch, fliegt in die Höhe und strebt für einen Augenblick die Schwerelosigkeit an. Zwischendurch steht der tanzende Körper in der aufrechten Haltung, mit einem oder beiden Füssen am Boden «verwurzelt», mit dem Kopf in die Höhe strebend – «Stehen trotz allen Möglichkeiten zu fallen», wie Klee das Schicksal der Gebundenheit kennzeichnet.

Für die Bewegungsdynamik bedeutet dies, dass gerade Schwungbewegungen zwischen Schwerkraft und Schwerelosigkeit pendeln. Die Wirkung der Gravitation wird dabei physisch und visuell erlebbar. Schwünge verschiedenster Art werden Teil der choreografisch-tänzerischen Recherche sein, zusammen mit Tanzelementen auf dem Boden und Schwebefiguren.

Die Musik als Gegengewicht
Melodie und Rhythmus bestimmen das choreografische Recherchieren mit. Die live gespielte Musik (Bassquerflöte) spielt mit der gleichen Thematik wie die Tanzenden. Sie sinkt in die Tiefe und hebt ab in die Höhe. Aber nicht nur das: sie wirkt auch als Gegengewicht zum Tanz. Die Bassflöte teilt ihre entsprechenden Klangfarben und bereichert das tänzerische Geschehen um eine weitere Dimension.

Lucía Baumgartner ist Choreografin, Tanzpädagogin und künstlerische Leiterin der Tanzcompagnie inFlux. Sie schloss 1998 ihr Tanzstudium an der London Contemporary Dance School mit einem Master of Art in Choreografie ab und bildet sich fortlaufend in verschiedenen Tanz- und Theaterstilen und ganzheitlichen Körpertrainings weiter. Ihr Tanzverständnis ist zudem durch die Auseinandersetzung mit Musikschaffen und Architektur beeinflusst. Ihr choreografisches Schaffen wurde mehrmals mit Preisen ausgezeichnet und ihr Unterrichten wird im In-und Ausland geschätzt. In Lucías Arbeit vermischt sich ihr südländisches Temperament mit schweizerischer Nüchternheit.

Jonas Furrer hat seine Berufsausbildungen am Liverpool Institute for Performing Arts (Klavier) und Codarts Rotterdam (Tanz) absolviert. Nach fünf Jahren Engagements in etablierten Tanzcompagnies in Europa arbeitet er seit drei Jahren als freischaffender Tänzer in verschiedenen Tanzensembles in der Schweiz, seit 2015 auch mit inFlux und Lucía Baumgartner. Jonas ist sowohl als Pädagoge als auch Auftrags-Choreograf gefragt.

Isabel Lerchmüller (Bassquerflöte) ist freischaffende Musikerin, Performerin und Konzepterin. Sie studierte an der Hochschule der Künste Bern (Querflöte) und an der Musikakademie Basel (Improvisation). Neben ihrer intensiven Kammermusik- und Orchestertätigkeit engagiert sie sich als Querflötenpädagogin. Isabels künstlerischer Fokus liegt auf spartenübergreifenden und ortspezifischen Produktionen, u.a. mit dem von ihr gegründeten Kollektiv rueckenlage,  das sich auf (Ton-Bild-) Konzerte für liegendes Publikum spezialisiert hat.

Tekeal Riley ist seit 1999 Mitglied der Tanzcompagnie inFlux. Sie tanzte auch in Produktionen von Running Out (Michael Schulz/Nicole Caccivio/Kathryn Eggert), co.ainsi.danse (Susanne Müller), Karin Hermes und Cie Willi Dorner. Tekeal unterrichtet zeitgenössischer Tanz in Bern und bietet Köperarbeit nach The Trager® Method an. Zurzeit arbeitet sie mit dem Fotografen Martin Bichsel am Projekt «Fremde Kontakt» (Ausstellung Nov 2016).

www.influxdance.com

Drei choreografische Projekte nehmen das Ausstellungsthema Bewegung in der direkten Begegnung mit den Werken und den Besuchern der Ausstellung auf. Die tänzerische Umsetzung des Themas wird während den Projektmonaten (Februar, April und September) wöchentlich in der Ausstellung zu sehen sein.

Tänzerinnen und Tänzer und/oder Choreografinnen und Choreografen werden im Rahmen der Ausstellung «Paul Klee. Bewegte Bilder» vor Ort Ideen entwickeln. Dabei kommt es zu freier tänzerischer und choreografischer Auseinandersetzung mit Themen und Werken der Ausstellung, aber auch mit der Situation vor Ort (Museum–Ausstellung– Besucher). Im Mittelpunkt dieser Zusammenarbeit mit der Dampfzentrale Bern steht der Prozess und die Auseinandersetzung mit dem Thema Bewegung.