«Barbara Bleisch trifft» – das ist der Titel einer neuen Gesprächsreihe in der Dampfzentrale Bern. Der Name ist Programm: Viermal im Jahr gehört die Bühne der bekannten Philosophin und Autorin Barbara Bleisch. Sie trifft jeweils eine inspirierende Persönlichkeit ihrer Wahl aus Kultur, Politik, Kunst und Wissenschaft zum Gespräch über das aktuelle Zeitgeschehen und die Denkräume und Erfahrungswelten ihrer Gäste. In den Gesprächen wird Unbequemes aufgegriffen und werden Fragen zu Ende gedacht – tabulos, ehrlich und spektakelfrei.

Auch das Publikum ist gefragt: Ein Zettelkasten wird zur analogen Kommentarspalte umfunktioniert, in der sich die Zuhörenden einbringen können, frei von digitalem Schnickschnack und ohne sich im Saal exponieren zu müssen.
Die ersten Gäste der Reihe sind: die preisgekrönte Philosophin und Publizistin Carolin Emcke, die bekannte Schweizer Künstlerin Miriam Cahn, der umtriebige Bundeskanzler Walter Thurnherr und Judith Schalansky, Autorin und vielfach ausgezeichnete «Naturkunden»-Herausgeberin bei Matthes&Seitz.

Miriam Cahn

Miriam Cahn wurde 1949 in Basel geboren. Der Vater ist Kunst- und Antikenhändler, die Mutter Hausfrau, welche Miriam Cahn früh ans Zeichnen und Musizieren heranführt. Nach dem Studium an der Grafikklasse der Gewerbeschule Basel (1968 –73) arbeitet Miriam Cahn bis 1976 als Zeichenlehrerin und wissenschaftliche Zeichnerin. Der Freitod ihrer Schwester bewegt sie dazu, als freischaffende Künstlerin tätig zu werden. Sie beteiligt sich an der Anti-AKW- und der Frauenbewegung, unter anderem 1976 als Delegierte der Organisation für die Sache der Frau (OFRA) am Warschauer Friedenskongress. Von Dezember 1979 bis Januar 1980 bringt sie in einer nächtlichen Kunstaktion Wandzeichnungen an der sogenannten Nordtangente an, einer im Bau befindlichen Autobahnbrücke in Basel. Die Protestaktion wird von der Polizei entdeckt und führt zu einem Gerichtsprozess.

Miriam Cahn wird als Künstlerin früh anerkannt und international wahrgenommen. Auf die erste Ausstellung (1977, Galerie Stampa, Basel) folgen zahlreiche Einzelund Gruppenausstellungen, zusehends europaweit. 1982 ist Miriam Cahn an die documenta 7 eingeladen, zieht jedoch ihren Beitrag vor der Eröffnung aufgrund eines kuratorischen Eingriffs von Rudi Fuchs zurück. 1984 nimmt sie an der Biennale in Venedig teil. Von 1985 bis 1989 lebt Miriam Cahn in Berlin; anschliessend kehrt sie nach Basel zurück. 2002 findet eine grosse Einzelausstellung im Centre PasquArt Biel statt, in der erstmalig ihre Malerei umfassend gezeigt wird, gefolgt von der Einzelausstellung Miriam Cahn: Überdachte Fluchtwege 2006 im Kirchner Museum Davos. Danach wird es in der Schweiz stiller um die Künstlerin. Erst 2014 wieder zeigt das Centre Culturel Suisse in Paris die Einzelausstellung Miriam Cahn: corporel / körperlich, welche 2015 auch im Aargauer Kunsthaus Aarau zu sehen ist und eine Wiederentdeckung der Künstlerin einleitet. 2017 folgt dann der Auftritt von Miriam Cahn an der documenta 14 in Athen und Kassel. Im Jahr 2019 finden teils parallel Einzelausstellungen statt, so im Kunsthaus Bregenz und im Museo Reina Sofia in Madrid. Die Ausstellung Miriam Cahn – ICH ALS MENSCH wird im Kunstmuseum Bern und später im Haus der Kunst München sowie im Museum für Moderne Kunst in Warschau gezeigt. Miriam Cahn, die mehrfach für ihr Schaffen ausgezeichnet wurde, lebt und arbeitet heute in Stampa im Bergell.

Barbara Bleisch

Barbara Bleisch, Dr. phil., hat in Zürich, Basel und Tübingen Philosophie, Germanistik und Religionswissenschaften studiert und am Ethik-Zentrum der Universität Zürich promoviert. Seit 2010 moderiert sie die «Sternstunde Philosophie» bei Schweizer Radio und Fernsehen SRF, seit 2018 ist sie Kolumnistin beim «Tages-Anzeiger». Bleisch ist Mitglied des Ethik-Zentrums der Universität Zürich und unterrichtet Ethik in verschiedenen universitären Weiterbildungsprogrammen. Sie ist ausserdem Mitglied der Jury des Tractatus-Preises für Philosophische Essayistik. Zu ihren jüngsten Publikationen gehören «Kinder wollen» (gemeinsam mit Andrea Büchler, Hanser), „Warum wir unseren Eltern nichts schulden“ (Hanser), «Familiäre Pflichten» (Suhrkamp) und «Ethische Entscheidungsfindung» (Versus).