Jenny Hval und ihr langjähriger musikalischer Kollaborateur und Lebenspartner Håvard Volden sprechen einen Tag vor ihrer Show als Lost Girls am Saint Ghetto Festival mit dem Journalisten Timo Posselt.

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Mit zwei Romanen, fünf Musikalben und diversen Theater-Arbeiten ist die Norwegerin Jenny Hval eine der aufregendsten und umtriebigsten zeitgenössischen Pop-Künstlerinnen geworden. Über ihre Veröffentlichungen zieht sich stets eine hinterfragende, leidenschaftliche und oft witzige Perspektive auf Kunst, Feminismus und Sexualität, wobei ihr Schaffen die Grenzen zwischen Pop- und Kunstkontext bis zur Unkenntlichkeit hin verwischt. Menstruierende Vampire trafen dabei bereits auf voyeuristische Sexfantasien, feministische Kapitalismuskritik auf apokalyptische Szenarien. Die wechselhaften Kombinationen aus Folk, Jazz, Spoken Word und elektronischer Musik sind gleichermaßen unkonventionell wie zugänglich.

Lost Girls – benannt nach dem viktorianischen Sex-Comic von Melinda Gebbie und Alan Moore – ist das Duo-Projekt gemeinsam mit Håvard Volden. Auf ihrem Album «Menneskekollektivet» vermischen sich getupfte Gitarrenflächen mit unverblümten Rave-Beats, gesprochene Sequenzen mit melodiösem Gesang.

Timo Posselt, geboren 1991, schreibt regelmässig über Literatur, Film und Popkultur für Medien in der Schweiz und im Ausland. Seine Texte erscheinen in der NZZ am Sonntag, dem Republik Magazin, der Wochenzeitung WOZ, im Magazin des Tages-Anzeigers und vielen weiteren. Er studierte Geschichte, Deutsch und Gender Studies an der Universität Basel.

Fotocredits: Lasse Marhaug