Tanz ist wie sichtbar vergehende Zeit. Hinter dem Alltäglichen und scheinbar Selbstverständlichen soll die Komplexität unserer Zeitwahrnehmung ausgelotet werden. Dabei tauchen Fragen nach Vergänglichkeit, Erinnerung und Sinneswahrnehmung auf. Wir können nichts festhalten. Alles ist relativ, alles ist in ständiger Veränderung, in Bewegung. Nichts ist sicher. Es gibt keine Gewissheit, ausser, dass alles irgendwann zu Ende ist. Jeder Moment ist einmalig und im nächsten Augenblick schon vorbei. Wie speichern sich Erinnerungen im Körper, im Gedächtnis? Wie verändern sich Erinnerungen im Lauf des Lebens? Wann verblassen sie? Welche Spuren hinterlassen sie? Wie prägen sie uns? Zeit hinterlässt Spuren, Narben, Falten. Zeit verwischt Spuren. Unendlich viele Dinge passieren gleichzeitig, zahllose Sinneseindrücke nehmen wir wahr. Was wird uns bewusst? Was filtern wir heraus? Was beeinflusst unsere Entscheidungen? Was bleibt in Erinnerung? Wo sind die verschütteten, vergessenen Erlebnisse, Eindrücke, Ereignisse? Wir rennen der Zeit hinterher, versuchen sie einzuholen, wir wollen sie beeinflussen, dehnen und schrumpfen. Wir wollen Zeit anhalten, festhalten, einfangen, einholen, wiederholen, die Zeit vergessen, zurückschrauben, vorwärts spulen. Die Zeit soll stehen bleiben, langsamer vergehen, schneller vergehen. Ein ständiges Scheitern. Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Man kann nicht noch einmal von vorn anfangen. Zeit läuft gnadenlos weiter. Zeit lässt sich nicht beschleunigen. Wir sind immer schon zu spät.Wachsen – vergehen, beginnen – enden, Begegnung – Abschied, anwesend – abwesend, vorwärts – rückwärts. Lauter Gegensätze und Widersprüche prägen die Bewegung der Zeit. Zeit zerrinnt zwischen den Fingern. Wertvoll und vergänglich. Wie kann ein so unfassbares, abstraktes, komplexes Phänomen wie das Fliessen der Zeit sinnlich und körperlich erfahrbar, spürbar, sichtbar, hörbar gemacht werden?Sekunden lassen sich messen, die Dauer ist relativ. Die Qualität, Intensität, Dichte von Zeit -das Wesentliche – ist nicht messbar. Weshalb muss alles genau vermessen, geplant werden? Weshalb brauchen wir Zeitpläne, Lebenspläne, Stundenpläne? Das Wesentliche lässt sich nicht planen. Sehnsucht nach dem nicht Messbaren, Unermesslichen, Unendlichen. Überraschungen, Veränderung, neue Erfahrungen, unerwartete Ereignisse, Schicksalsschläge prägen unser Zeitempfinden. Das Bewusstsein, dass Zeit für uns endlich ist, macht Zeit überhaupt erfahrbar. Die Grenze, das Ende, lässt das Vergehen der Zeit bewusst werden. Zeit scheint grenzenlos, setzt uns aber gnadenlos ihre Grenzen. Zeit gibt es ohne Ende und nie genug.Nicht die Zeit vergeht, wir vergehen. Werkeinführung zum Doppelabend Huber / Lambert: am So 30.10., 18.30Uhrim Foyer der Dampfzentrale, moderiert von Julia Wehren, ITW Bern Publikumsgespräch mit Anna Huber und Fabrice Lambert: am Do 30.10. im Anschluss an die Vorstellung von Fabrice Lambert, moderiert von Julia Wehren, ITW Bern.