Die erfolgreiche Uraufführung des Stücks «Eine Frage der Zeit» von Anna Huber im Rahmen des Festivals TANZ IN. BERN 2008 in der Dampfzentrale wurde von Publikum und Presse begeistert aufgenommen. Mit grosser Freude zeigen wir nun die Wiederaufnahme des Solos.Tanz ist wie sichtbar vergehende Zeit. Alles ist in ständiger Veränderung. Nichts ist sicher. Wir können nichts festhalten. Es gibt keine Gewissheit, ausser, dass alles irgendwann zu Ende ist. Jeder Moment ist einmalig und im nächsten Augenblick schon vorbei. Hinter dem Alltäglichen und scheinbar Selbstverständlichen wird die Komplexität unserer Zeitwahrnehmung ausgelotet. Dabei tauchen Fragen nach Vergänglichkeit, Erinnerung und Sinneswahrnehmung auf. Wie kann ein so unfassbares, abstraktes, komplexes Phänomen wie das Fliessen der Zeit sinnlich und körperlich erfahrbar, spürbar, sichtbar, hörbar gemacht werden?Wie speichern sich Erinnerungen im Körper, im Gedächtnis? Welche Spuren hinterlassen sie? Wie verändern sich Erinnerungen im Lauf des Lebens? Wann verblassen sie? Wie prägen sie uns? Zeit hinterlässt Spuren, Narben, Falten. Zeit verwischt Spuren. Wir rennen der Zeit hinterher, versuchen sie einzuholen. Die Zeit soll stehen bleiben, langsamer vergehen, schneller vergehen. Wir wollen Zeit anhalten, festhalten, einfangen, einholen, wiederholen, die Zeit vergessen, zurückschrauben, vorwärts spulen. An dem Wunsch, das Fliessen der Zeit zu beeinflussen scheitern wir immer wieder. Zeit läuft gnadenlos weiter. Zeit lässt sich nicht beschleunigen. Wir sind immer schon zu spät. Lauter Gegensätze und Widersprüche prägen die Bewegung der Zeit: beginnen – enden, wachsen – vergehen, Begegnung – Abschied, anwesend – abwesend, vorwärts – rückwärts, gewinnen – verlieren. Wertvoll und vergänglich zerrinnt uns Zeit zwischen den Fingern. Das Bewusstsein, dass Zeit für uns endlich ist, macht Zeit erst erfahrbar. Zeit scheint grenzenlos und setzt uns gnadenlos ihre Grenzen. Zeit gibt es ohne Ende und nie genug. Nicht die Zeit vergeht, wir vergehen.«Sie ist auf der Höhe ihres tänzerischen Könnens: In ihrer jüngsten Soloperformance verblüfft die Tänzerin Anna Huber mit neuen Erkenntnissen zum Phänomen Zeit. Die kompromisslose Tänzerin zeigt eine physische Klarheit, mentale Präsenz und kompositorische Frische, als ob die Zeit an ihr vorübergegangen wäre. Sie liess die Zeit vergessen»..«Anna Huber findet ihre eigenen Bilder für ein Phänomen, das sich nicht im physikalischen Erleben erschöpft. In einer ausgeklügelten Dramaturgie spielt sie ihren Körper in eine Evolution der Vergänglichkeit. Faszinierend, wie sie die Gleichzeitigkeit des Ungleichen in spektakulären Isolationen sichtbar macht, wie sie ihre Fingerfächer hinter dem Rücken zur Körper-Ikebana aufblühen lässt oder blitzschnell in die Leere greift, als gäbe es da unverbrauchte Zeitreste wie Mücken einzufangen. Und wenn sie in kurzen Staccati auf die Erde klopft, scheinen da Zeitfunken zu sprühen, die ihr Uhrwerk neu mit Energie versorgen.» (Marianne Mühlemann, Der Bund, Oktober 2008)