Geschichte
Die Dampfzentrale Bern liegt direkt an der Aare auf dem Areal des Marzilibades. Ihre Geschichte beginnt am Anfang des 20. Jahrhunderts, als der Elektrizitätsbedarf Berns sprunghaft anstieg und das bestehende Flusskraftwerk Matte bei geringer Wasserführung zu wenig Strom lieferte.
1904 baute der Architekt Eduard Joos, der sich zuvor mit dem Bau des Uni-Hauptgebäudes auf der Grossen Schanze einen Namen gemacht hatte, im Auftrag des Elektrizitätswerks der Stadt Bern das thermische Kraftwerk. Die kohlegefeuerte Dampfzentrale sollte diese Lastspitzen decken. Per Schiff gelangte die Kohle, die in der Brienzersee-Region abgebaut wurde, zur Dampfzentrale. Im Kesselhaus wurden die Heizkessel eingefeuert und im Turbinensaal standen die Drehstrom-Turbinen, die elektrische Energie erzeugten. 1924 wurden die Kohlenkessel durch Dieselaggregate ergänzt. 1939 wurde der Kohlebetrieb eingestellt und das weithin sichtbare Wahrzeichen der Dampfzentrale, ein 50m hoher Kamin, abgebrochen.
1973: Mit der Demontage der Dieselaggregate wird die Dampfzentrale zur Industriebrache und mehr schlecht als recht als Lager genutzt. Nach der Stilllegung der Kraftwerkräume gab es Projekte für neue Schwimm- und Turnhallen. Die Dampfzentrale wäre abgerissen worden, wenn 1981 nicht die Denkmalpflege eingegriffen hätte.
Mitte der achtziger Jahre war das Veranstaltungsangebot der Bundesstadt bescheiden. Die freie Tanz- und Theaterszene suchte nach Auftrittsorten. Die Reitschule war verbarrikadiert, die Hüttensiedlung Zaffaraya niedergewalzt. 1986 gründeten verschiedene kulturelle Organisationen der Stadt Bern den Verein Dampfzentrale. Mit dem Ziel, die Dampfzentrale kulturell zu nutzen, reichten der Verein ein Gesuch beim Gemeinderat der Stadt Bern ein. 1987: Im Mai kam es für eine Nacht zu einer inzwischen legendären Besetzung. Züri West machten darüber den Song «Hansdampf»: «D Wäut schteit uf em Chopf u dräit sech überem Parkett, 1000 Bärner dräie mit u i schtah irgendwo ir Mitti, u cha nid gloube, was i gseh.» Was Kuno Lauener 1987 nicht glauben wollte, war tatsächlich ein kleines Wunder.
19.10.87: Der bürgerliche Gemeinderat sieht Handlungsbedarf und bewilligt den Versuchsbetrieb der Kulturhallen Dampfzentrale. Gleichzeitig beauftragt er das Architekturbüro Haltmeyer + Flückiger, ein Projekt zur Renovation und Neunutzung des geschützten Industriebaus auszuarbeiten. Im bald eingespielten Dauerprovisorium bespielt zeitgenössiche Kultur die Kraftwerkhallen.
1997, zehn Jahre nach Aufnahme des Kulturbetriebs, spricht der Berner Stadtrat einstimmig 4.1 Mio. Franken für die Sanierung der Dampfzentrale. Das Architekturbüro Haltmeyer + Flückiger passt das Renovationsprojekt von 1992 an und führt - in enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Betriebsleiter Christoph Balmer - von September 1998 bis August 1999 die Gesamtsanierung durch. Die Gesamtsanierung hievt die Kulturhallen Dampfzentrale in höhere Gefilde. Die Räume blieben in ihrem Charakter erhalten, die technische Infrastruktur jedoch den Bedürfnissen eines zeitgemässen Kulturbetriebs angepasst. Seither ist der Kulturbetrieb in allen Dimensionen gewachsen.
September 2005: Roger Merguin und Christian Pauli übernehmen die Leitung der Kulturhallen Dampfzentrale; die bisherige Leitung tritt zurück. Sie erhalten vom Verein Dampfzentrale den Auftrag, das Haus in Hinblick auf die Subventionsperiode 2008-12 als zeitgenössisches Kulturzentrum für Tanz und Musik neu zu konzipieren. Der Verein Dampfzentrale, bisher ein Verein der veranstaltenden Vereine, wird für das Publikum geöffnet. Nach intensiven Verhandlungen zwischen Dampfzentrale und der Stadt Bern spricht sich der Stadtrat im Frühling 2007 für eine markante Erhöhung der Subventionen für die Jahre 2008-12 aus.
Damit verfügt die Dampfzentrale erstmals in ihrer 20jährigen Geschichte über Mittel, ein eigenständiges Profil in einem eigenen Programm umzusetzen. Zugleich mit den neuen Subventionen übernimmt die Dampfzentrale auch den kulturpolitischen Auftrag und die finanziellen Mittel, der aus dem im Frühjahr 2007 bekannt gewordenen Ausstieg der Berner Tanztage und von Taktlos/Tonart Bern frei geworden ist. Die Dampfzentrale wird derart zum zeitgenössischen Kulturzentrum für Tanz und Musik, welches aktuelle Formen von Musik und Tanz und das vage Terrain dazwischen erkundet (siehe Leitbild 2008-12). Merguin und Pauli teilen sich die Intendanz und Betriebsleitung. Der bisherige Vermietbetrieb gehört nun der Vergangenheit an.
Januar 2008: Nach zweijähriger Planungs- und Vorbereitungszeit wird das Kulturzentrum an der Aare mit dem Festival Blueprint neu gestartet. Ein neuer Name (Dampfzentrale Bern statt Kulturhallen Dampfzentrale), ein neues Logo, die neue Website und Programmzeitung MUT, sowie einzelne bauliche Massnahmen markieren diesen Neuanfang.
Wir hoffen auf unseren Mut. Herzlichen Dank.

Turbinensaal vor dem Umbau

Turbogenerator-Gruppe im Turbinensaal um 1927

Die Wasserkessel von 1904/05 im Kesselhaus